Deutsche Verkehrsunfallstatistik - weniger verunglückte und getötete Radfahrer in allen Altersgruppen

Aktuelles Verkehr

Mehr Unfälle, aber weniger Verunglückte

Im Jahr 2010 verloren 3.648 Menschen auf deutschen Straßen ihr Leben, 12 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das Jahr 2010 war das unfallreichste seit 1999. Die Polizei erfasste bundesweit insgesamt 2,41 Millionen Unfälle, das waren 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den meisten Unfällen blieb es bei Sachschaden (88 Prozent), bei 12 Prozent der Unfälle gab es Getötete oder Verletzte.

Getötete bei Straßenverkehrsunfällen: Deutschland auf Rang 5 im EU-Vergleich

Nach den vorliegenden Ergebnissen kamen im Jahr 2010 EU-weit 30.700 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung aller EU-Länder waren dies durchschnittlich 61 Personen je eine Million Einwohner. In Deutschland waren es 45 Personen. Mit diesem Wert liegt die Bundesrepublik innerhalb der 27 EU-Länder auf Rang fünf, den sie nun seit drei Jahren belegt.

60 Prozent der Unfallopfer starben auf Landstraßen außerorts, 68 Prozent der Unfälle fanden innerorts statt

Am häufigsten kommt es zu Unfällen mit Personenschaden innerhalb geschlossener Ortschaften. Von den 288.297 Unfällen im Jahr 2010 in Deutschland ereigneten sich 68 Prozent innerorts, 26 Prozent auf Landstraßen außerorts und 6,5 Prozent auf Autobahnen. Anders sieht diese Verteilung bei den im Straßenverkehr ums Leben gekommenen Personen aus. Die meisten der 3.648 Getöteten (60 Prozent) kamen bei Unfällen auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften ums Leben, 28 Prozent auf Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften und weitere 12 Prozent auf Autobahnen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Gefahr bei einem Unfall tödlich zu verunglücken, auf Außerortsstraßen wesentlich höher und besonders groß auf Landstraßen ist. Mit 30 Getöteten je 1.000 Unfälle mit Personenschaden ist das Risiko auf Landstraßen etwa fünfmal höher als auf Innerortsstraßen und auch höher als auf Autobahnen, auf denen 23 Personen je 1.000 Unfälle starben.

Starker Einfluss des Winterwetters auf die Unfalllzahlen

Die Entwicklung des Unfallgeschehens von 2009 zu 2010 ist stark durch die Witterungsverhältnisse geprägt. Drei strenge Wintermonate und auch sonst ein insgesamt zu kaltes und nasses Jahr 2010 haben dazu beigetragen, dass die Zahl der Unfälle zwar gestiegen, aber gleichzeitig weniger Personen verunglückt sind. Die Witterung ist neben der vorhandenen Infrastruktur, der Verkehrsdichte, der Verkehrsstruktur oder dem Verkehrsverhalten einer der Einflussfaktoren auf das Unfallgeschehen. Das Wetter beeinflusst die Verkehrssicherheit sowohl direkt in Form der vorliegenden Fahrbedingungen als auch indirekt über das Verhalten der Verkehrsteilnehmer.

Rückgang der verunglückten Radfahrer um 13 Prozent und der getöteten Radfahrer um 18 Prozent

Der Personenkraftwagen ist das am meisten genutzte Verkehrsmittel. Pkw-Insassen haben deshalb mit 57 Prozent auch den größten Anteil an den Verunglückten im Straßenverkehr.

Rund 17 Prozent der im Straßenverkehr zu Schaden gekommenen Personen benutzten ein Fahrrad, 7,2 Prozent ein Motorrad und 4,6 Prozent ein Mofa/Moped. 8,0 Prozent der Verunglückten waren als Fußgänger unterwegs.

Überdurchschnittlich stark abgenommen hat im Jahr 2010 die Zahl der Verunglückten auf Fahrrädern und auf Mofas/Mopeds mit jeweils 13 Prozent. Aber auch auf Motorrädern kamen 11 Prozent weniger Personen zu Schaden.

Bei den Fußgängern und Fahrradbenutzern sank die Zahl der tödlich Verletzten überdurchschnittlich, und zwar um 19 Prozent beziehungsweise 18 Prozent.

Im Pkw kamen 13 Prozent oder 270 Insassen weniger ums Leben.

Verunglückte und getötete Radfahrer 2009/2010 Verkehrsbeteiligung

  • Anzahl der verunglückten Radfahrer 2010: 65.573 (2009: 75.797) – 13 Prozent
  • Anzahl der getöteten Radfahrer 2010: 381 (2009: 462) – 18 Prozent


Von den 3.648 im Jahr 2010 im Straßenverkehr getöteten Personen war

  • jeder zweite ein Insasse in einem Pkw
  • jeder sechste ein Fahrer oder Mitfahrer auf einem Motorrad
  • jeder achte ein Fußgänger
  • jeder zehnte ein Radfahrer


Weniger verunglückte und getötete Rad fahrende Kinder bis 15 Jahre

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der verunglückten Kinder kam im Jahr 2010 als Insasse in einem Pkw, ein weiteres Drittel auf einem Fahrrad zu Schaden.

25 Prozent der verunglückten Kinder nahmen als Fußgänger am Straßenverkehr teil. Von den im Jahr 2010 getöteten Kindern verloren 49 und damit fast die Hälfte der Kinder als Mitfahrer in einem Pkw ihr Leben.

Mehr als jedes vierte getötete Kind (27 Prozent) war zu Fuß, weitere 19 Prozent waren auf einem Fahrrad unterwegs, als der Unfall passierte.

Gegenüber dem Vorjahr sind vor allem mehr Kinder in einem Auto zu Tode gekommen (+ 32 Prozent), davon betroffen waren vor allem die jüngeren Kinder bis neun Jahre (+ 67 Prozent). Aber auch als Fußgänger starben mehr Kinder als im Jahr 2009 (+ 22 Prozent).

Dagegen verunglückten weniger Kinder als im Jahr 2009 mit ihren Fahrrädern tödlich (– 17 Prozent).

Verunglückte und getötete Radfahrer unter 15 Jahren 2009/2010

  • Anzahl der verunglückten Rad fahrenden Kinder 2010: 9.534 (2009: 11.068) – 14 Prozent
  • Anzahl der getöteten Rad fahrenden Kinder 2010: 20 (2009: 24) – 17 Prozent


Kleinkinder verunglücken am häufigsten im Pkw. Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren verunglückten etwa zu gleichen Teilen am häufigsten als Pkw-Insasse oder Fußgänger.

10- bis 14-Jährige verunglückten dagegen meist auf ihrem Fahrrad. Außerdem waren Jungen im Straßenverkehr stärker gefährdet als Mädchen. Bei einem Anteil der Jungen von 51 Prozent an der Bevölkerung unter 15 Jahren waren 56 Prozent der verunglückten Kinder männlich. Die Gründe für die höhere Unfallgefährdung dürften vor allem in der stärkeren Verkehrsbeteiligung der Jungen und in einer größeren Risikobereitschaft liegen.

Bei den verunglückten Radfahrern und Fußgängern im Alter von 6 bis 14 Jahren ergeben sich im Tagesverlauf zu bestimmten Uhrzeiten klare Häufungen. So verunglückten 2010 die meisten Kinder in den Zeiten, in denen sie sich normalerweise auf dem Weg zur Schule oder zurück befinden. Gemessen an den Verunglückten des gesamten Tages wurden 14 Prozent der Kinder morgens zwischen 7 und 8 Uhr und 11 Prozent zwischen 13 und 14 Uhr verletzt oder getötet. Auch in ihrer Freizeit am Nachmittag sind Kinder stärker gefährdet. 24 Prozent der verunglückten Kinder kamen zwischen 16 und 18 Uhr zu Schaden.

Häufigste Unfallursache der 6- bis 14-jährigen Radfahrer, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, war eine falsche Straßenbenutzung (22 Prozent), hier insbesondere die Benutzung der falschen Fahrbahn.

Den gleichaltrigen Fußgängern wurde vor allem angelastet, beim Überschreiten der Fahrbahn nicht auf den Verkehr geachtet zu haben (48 Prozent). Insgesamt haben Kinder aber im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil ein geringeres Unfallrisiko als andere Altersgruppen.

Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren: Acht getötete Radfahrer 2010

41 Jugendliche je eine Million Einwohner starben im Straßenverkehr. Dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das Sterberisiko der Jugendlichen um zwei Drittel gesunken. Verglichen mit den Kindern bis 14 Jahren ist das Todesrisiko der Jugendlichen allerdings dreimal höher.

Die meisten der 15- bis 17-Jährigen, insgesamt waren es 39, kamen im Jahr 2010 in einem Auto ums Leben. Die Zahl der getöteten Pkw-Insassen dieser Altersgruppe ist aber gegenüber 2009 um 40 Prozent oder 26 Personen zurückgegangen.

Nicht motorisiert unterwegs, als sie ums Leben kamen, waren 18 Jugendliche, davon jeweils die Hälfte als Fußgänger und als Radfahrer.

Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren: 28 Prozent Rad fahrende Unfallverursacher

Etwa die Hälfte (52 Prozent) der 14.121 Jugendlichen, die an einem Unfall mit Personenschaden als Fahrzeugführer oder Fußgänger beteiligt waren, hatten diesen auch verursacht. Dies entspricht dem Durchschnittswert aller Unfallbeteiligten.

Entsprechend ihrer hauptsächlichen Verkehrsteilnahme verursachten 15- bis 17-Jährige die meisten Unfälle als Fahrer eines Mofas/Mopeds (39 Prozent), am zweithäufigsten als Radfahrer (28 Prozent) und am dritthäufigsten als Motorradfahrer (18 Prozent).

553 Jugendliche waren im Jahr 2010 als Fahrer eines Pkw an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt, davon waren mehr als zwei Drittel (68 Prozent) die Hauptverursacher des jeweiligen Unfalls.

Junge Erwachsene (18- bis 24-jährige): 8,8 Prozent verunglückten mit einem Fahrrad

72 Prozent der insgesamt 73.172 im Jahr 2010 im Straßenverkehr verunglückten jungen Erwachsenen saßen in einem Pkw. In den anderen Altersklassen lag der Anteil im Schnitt nur bei 53 Prozent.

Am zweithäufigsten verunglückten 18- bis 24-Jährige auf einem Fahrrad (8,8 Prozent) und an dritter Stelle auf einem Motorrad (6,5 Prozent).

Die Zahl der verunglückten jungen Männer und Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren ist im Jahr 2010 das dritte Jahr in Folge zurückgegangen. Gegenüber 2009 waren es 8,3 Prozent weniger Verunglückte dieser Altersgruppe. Noch erfreulicher: Die Zahl der Unfalltoten im Alter von 18 bis 24 Jahren sank das zehnte Jahr in Folge, zuletzt um 13 Prozent auf 690 Tote im Jahr 2010.

25 Prozent weniger getötete und 14,7 Prozent weniger verunglückte 18- bis 24-Jährige Radfahrer 2010

Etwa drei von vier (74 Prozent) der 18- bis 24-jährigen Unfallopfer starben als Fahrer oder Mitfahrer in einem Auto. Die meisten der 508 getöteten Pkw-Insassen fuhren das Auto, in dem sie verunglückten, selbst (72 Prozent). Weitere 103 junge Erwachsene starben im Jahr 2010 als Motorradbenutzer und 40 als Fußgänger.

Weniger häufig kamen die 18- bis 24-Jährigen auf einem Fahrrad (12) oder auf einem Kleinkraftrad (9) ums Leben.

Bei Straßenverkehrsunfällen verunglückte 18- bis 24-Jährige 2010 Radfahrer

  • Anzahl der verunglückten 18- bis 24-jährigen Radfahrer 2010: 6.437 (darunter 56 Prozent männlich) – 14,7 Prozent
  • Anzahl der 18- bis 24-jährigen getöteten Radfahrer 2010: 12 (darunter 67 Prozent männlich) – 25,0 Prozent


15 Prozent weniger getötete und 13 Prozent weniger verunglückte Rad fahrende Senioren (ab 65 Jahre)

Das wachsende Verkehrsaufkommen bei einer in etwa gleichbleibenden Bevölkerung ist im Wesentlichen auf eine höhere Mobilität der Senioren im Alter von 65 Jahren oder mehr zurückzuführen. Zudem steigt der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung stetig, in den letzten zehn Jahren erhöhte er sich von 16 Prozent auf 21 Prozent im Jahr 2010. Damit spielen ältere Menschen als Teilnehmer im Straßenverkehr eine immer wichtigere Rolle.

Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass die Zahl der verunglückten und besonders stark die Zahl der getöteten Senioren im letzten Jahr wieder abgenommen hat, nachdem diese im Jahr 2009 gestiegen war. Im Jahr 2010 verunglückten 40.502 Personen im Alter ab 65 Jahren im Straßenverkehr, 9,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Von den verunglückten Senioren waren die meisten Fahrer oder Mitfahrer in einem Pkw (47 Prozent), rund jeder vierte benutzte ein Fahrrad (26 Prozent). 15 Prozent der verunglückten Senioren waren als Fußgänger, 3,2 Prozent in Bussen und 2,7 Prozent auf dem Motorrad unterwegs.

Wesentlich seltener als im Vorjahr starben ältere Menschen als Fußgänger (– 32 Prozent). Aber auch als Fahrradfahrer (– 15 Prozent) oder als Insasse in einem Pkw (– 11 Prozent) kamen im Jahr 2010 weniger Senioren ums Leben.

Stark gestiegen ist dagegen die Zahl der getöteten Motorradbenutzer in diesem Alter von 22 auf 39 Personen (+ 77 Prozent).

Bei Straßenverkehrsunfällen verunglückte Rad fahrende Senioren ab 65 Jahren

  • verunglückte Rad fahrende Senioren 2010: 10.671 (2009: 12.263) – 13 Prozent
  • getötete Rad fahrende Senioren 2010: 197 (2009: 231) – 15 Prozent


Der Anteil der Senioren an allen Personen, die auf dem Fahrrad verletzt wurden, betrug 16 Prozent. Jedoch waren 52 Prozent von allen getöteten Fahrradfahrern 65 Jahre oder älter. Waren 20 Prozent der verletzten Fußgänger ältere Menschen, so waren es bei den getöteten 48 Prozent.

Es sind aber sehr deutliche Unterschiede bei den einzelnen Arten der Verkehrsbeteiligung von Senioren vorhanden.

So betrug der Anteil der Hauptverursacher bei den unfallbeteiligten Fußgängern über 65 Jahre 18 Prozent, bei den Radfahrern waren es 41 Prozent, die entsprechenden Werte für den Durchschnitt aller Altersgruppen lagen bei 28 Prozent beziehungsweise 42 Prozent.

Das heißt, ältere Menschen waren insbesondere als Fußgänger relativ selten der Verursacher des Unfalls, an dem sie beteiligt waren. Unfallursache bei den Pkw-Fahrern ab 65 Jahren war meist ein "Vorfahrtsfehler". Diese Ursache wurde 18 Prozent der Unfallbeteiligten dieser Altersklasse bei Unfällen mit Personenschaden vorgeworfen. Mit einem Anteil von 16 Prozent folgten "Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren".

Quelle: Statistisches Bundesamt, Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2010 (pdf)
(Herausgeber: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Gruppe B3, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in Zusammenarbeit mit Gruppe E 3 "Dienstleistungen, Verkehr, Tourismus")

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