Wie eine gute Radroute aussehen sollte

Radrouten und vor allem Radwege im engeren Sinn sollen die Sicherheit für Radfahrer erhöhen und nicht als „Rad - weg!“ dazu dienen, dass der Autoverkehr ungehindert rollen kann. Radrouten müssen komfortabel, zügig und hindernisfrei befahrbar sein sowie eine ausreichende Breite aufweisen, so dass sich Radler auch überholen können. Sie müssen, genauso wie der übrige Straßenraum, instand gehalten werden. Radwege, die abrupt auf der Fahrbahn oder an Kreuzungen enden, Umwege verordnen, um Hindernisse zwingen oder auf Gehwegen verlaufen und damit Konflikte mit Fußgängern verursachen, sind kontraproduktiv und können nicht das Ziel sein!

"Radrouten" sind nicht nur "Radwege"

Als „Radrouten“ werden Wege bezeichnet, die innerhalb eines Radverkehrsnetzes für den Radverkehr komfortabel zu befahren sind. Das können zum einen Straßen sein, die bereits verkehrsarm sind, zum anderen Straßen, die verkehrsarm gestaltet werden müssen, des Weiteren Radfahrstreifen und Schutzstreifen an Straßen letztendlich auch verpflichtende Radwege. Fußwege, die durch entsprechende Beschilderung verpflichtend zu benutzen oder zur freiwilligen Benutzung freigegeben sind, können nur in besonderen Ausnahmefällen als Radrouten bezeichnet werden.

Warum überhaupt Radwege?

Radwege sollen hauptsächlich aus zwei Gründen angelegt werden, und zwar zur:

  • Erhöhung der Sicherheit von Radfahrern vor Kraftfahrzeugen und Fußgängern (und wirklich nur dies, nicht etwa deswegen, damit Autos schneller fahren können!),
  • Förderung von Naherholung und Tourismus.

Abb. 4 1 Zeichen 237 Radweg

 

Durch die Anlage von Radwegen wird also von der grundsätzlichen Benutzungspflicht der Straße für Radfahrer abgewichen und stattdessen eine Wegebenutzungspflicht abseits der Straße angeordnet. Diese „Zwangsversetzung“ für den Radverkehr ist demzufolge nur dann zulässig, wenn

  • dadurch die Verkehrssicherheit der Radfahrer erhöht wird, ohne dass die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer, vor allem der Fußgänger, beeinträchtigt wird.
  • der Radweg in seiner baulichen Beschaffenheit „zumutbar“ ist, was bedeutet: Bequeme, zügige und hindernisfreie Fahrten ohne Umwege müssen möglich sein, der Radweg muss ausreichend breit sein, damit Radler sich überholen können. Außerdem muss er auch bei schlechter Witterung, bei Schnee und Eis und während Baumaßnahmen gut und sicher befahrbar gehalten werden.

und in Landshut?

Allzu oft steht in Landshut die schlechte Ausführung von Radwegtrassierungen obig genannten Bedürfnissen entgegen. Zum Beispiel endet der Radweg entlang der Nikolastrasse an der Kreuzung Nikola-/Seligenthalerstraße abrupt im Nichts, obwohl kurz davor noch ein Radwegschild angebracht wurde.

Wenn Radwege, dann wie?

Radwege sollen ohne Umwege oder Verschwenkungen geführt werden und eine eindeutige, sichere und direkte Wegeführung aufweisen.

Insbesondere die verkehrstechnischen Knotenpunkte und Kreuzungsbereiche sind heute hauptsächlich zu Lasten des Radverkehrs ausgelegt. Als Ziel sollten die Gefahrenpotenziale durch intelligente Radwegtrassierungen entschärft werden. Eigene Aufstellflächen für den linksabbiegenden Radverkehr und zuleitende „Fahrradschleusen“ sind oftmals eine sinnvolle Lösung. Mittels Rotmarkierungen kann man dem Radfahrer die Streckenführung über die Kreuzung verdeutlichen und den Autofahrer in Abbiegesituationen an seinen toten Winkel erinnern.

Abb. 4 2 Rüsselsheim Hessenring - Abbiegemöglichkeit am Knotenpunkt

Abb. 4 3 Rüsselsheim Liebigstraße / Evreuxring: vorgezogene Aufstellfläche für Radfahrer am Knotenpunkt

Gute Radwege sind durchgehend dem Autoverkehr gleichberechtigt. Dies gilt sowohl bei Lichtsignal geregelten Kreuzungen als auch bei Vorfahrtsregelungen. Sie weisen keine Hindernisse auf wie Sperren oder gar Absteigegebote; die Bordsteine sind im Verlauf der Radtrassen auf planes Niveau abgesenkt.

 

Unterschiedliche Bedürfnisse der Nutzer sind durch ausreichende Radwegbreiten zu berücksichtigen.

 

Der Berufspendler verhält sich anders als der Radfahrer, der Einkäufe erledigen oder einen Stadtbummel durchführen möchte und dieser wieder anders als ein Tourist oder ein Freizeitradler.

Bei der Ausgestaltung des Radverkehrsnetzes und dem Bau von Radwegen gilt es deren Bedürfnisse, wie auch die von Senioren und Kindern zu berücksichtigen.

Die unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten der Radfahrer bedingen, dass Überholen auf Radwegen gefahrenfrei möglich sein muss. Radwege müssen daher über eine ausreichende Breite verfügen.

Ein leidiges Problem: mangelnde Bordsteinabsenkungen im Verlauf einer Radroute. 

Bordsteinkanten sind im Verlauf einer Radroute oft nur ungenügend abgesenkt und bremsen daher empfindlich den Fahrfluss. Nur eine Absenkung auf planebenes Niveau wird dem Sicherheitsanspruch an Radwege gerecht und verleitet nicht zum Überwechseln auf die Fahrbahn. In Landshut werden Bordsteinabsenkungen unter anderem deswegen abgelehnt, weil sehbehinderte Mitbürger zumindest Bordsteinrestkanten zur Orientierung benötigen. Inzwischen gibt es jedoch dafür erprobte Alternativen (Rillensteine, Pflaster).

 

 

Radwege ohne Benutzungspflicht

Gesonderte Radwege galten lange als die am besten geeignete Form der Radverkehrsführung. Auch in Landshut werden Sie deshalb oft geplant und beschildert.

Die Benutzungspflicht von Radwegen ist in der Straßenverkehrsordnung an enge Voraussetzungen geknüpft, eine sorglose Beschilderung ist deshalb zu vermeiden.

Sicherheit von Radwegen

Die Trennung vom Kfz-Verkehr schafft beim Nutzer vor allem ein subjektives Sicherheitsgefühl. Auf separat geführten Radwegen besteht jedoch ein hohes Unfallrisiko an Knotenpunkten und Einfahrten. Nachteilig auf die Sicherheit wirkt sich auch ein hohes Fußgängeraufkommen aus, z.B. in Geschäftsstraßen.

Daraus ergeben sich ganz klare Bedingungen für die Anlage von Radwegen:

 

  • geringe Anzahl von Einmündungen und Einfahrten
  • geringes Fußgängeraufkommen
  • hohe Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs

 

 

Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, ist eine Führung am Fahrbahnrand sicherer und somit vorzuziehen.

Radstreifen und Schutzstreifen

Beim Radfahrstreifen wird ein Bereich von der Fahrbahn abmarkiert, der ausschließlich dem Radfahrer vorbehalten ist und von anderen Verkehrsteilnehmern nicht benutzt werden darf. Je nach Verkehrsdichte, sowohl des Kfz-Verkehrs wie auch des Radverkehrs, sind unterschiedliche Mindestbreiten von Fahrbahn und abmarkiertem Streifen nötig. Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zeigen, dass Radfahrstreifen die Sicherheit der Radfahrer erhöhen und gut angenommen werden.

Abb. 4 4 Kiel: Radfahrstreifen zwischen Autoverkehr und Busspur

Schutzstreifen werden mit einer gestrichelten Linie von der Fahrbahn abmarkiert und können im Bedarfsfall von Kraftfahrzeugen überfahren werden, wenn der Radverkehr nicht gefährdet wird. Sie werden dort angelegt, wo keine ausreichenden Breiten für Radfahrstreifen vorhanden sind. Ein Schutzstreifen sollte 1,60 m breit sein, mindestens jedoch 1,25 m. Schutzstreifen bieten auch bei höheren Verkehrsaufkommen einen Sicherheitsgewinn.

Abb. 4 5 Rostock: Schutzstreifen

Für beide Varianten liegt ein Vorteil klar auf der Hand: Die Radfahrer sind ständig im Blickfeld der Autofahrer und somit Teil des Verkehrsgeschehens. Sie werden demzufolge als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen, ernst genommen, beachtet und somit geachtet!

Fahrradstraßen

Bestimmte Straßen können auch als Fahrradstraßen ausgewiesen werden (Verkehrszeichen 244). In solchen Fahrradstraßen wird dem Autofahrer durch entsprechende Gestaltungen, Verkehrszeichen und Markierungen verdeutlicht, dass er hier als „Gast“ unterwegs ist.

Abb. 4 6 Kiel: Fahrradstraße

 

Radwege auf Fußwegen?

Radwegeführungen auf Wegen, die gleichzeitig von Fußgängern benutzt werden, müssen äußerst kritisch betrachtet werden. Gemeinsame Fuß-/Radwege mit entsprechender Benutzungspflicht sollten durchweg entfallen (Zeichen 240). Hier erhöht sich für die Fußgänger das Gefahrenpotenzial, für die Radfahrer ist ein zügiges Fahren nicht mehr möglich.

Abb. 4 7 Zeichen 240 gemeinsamer Rad- und Fußweg

Akzeptabel können sie im Ausnahmefall nur dann sein, wenn Fuß- und Radweg durch einen Mittelstrich getrennt sind und jeweils eine genügende Breite verbleibt (Zeichen 241).

Abb. 4 8 Zeichen 241 getrennter Rad- und Fußweg

Auch die Alternative, dass auf Gehwegen durch das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ der Radverkehr zwar erlaubt wird, der Weg vom Radfahrer aber nicht benutzt werden muss, sollte nur in Ausnahmefällen zum Tragen kommen.

Abb. 4 9 Zeichen 239 Gehweg mit Zusatzzeichen 1022 Radfahrer frei

Zwar können durch die fehlende Benutzungspflicht unsichere Radfahrer den Gehweg benutzen, während erfahrene Radler, die zügig vorankommen wollen, auf der Straße fahren dürfen. Allerdings sieht die Praxis oft so aus, dass einerseits Autofahrer von einer vermeintlichen Benutzungspflicht des Gehwegs für den Radverkehr ausgehen und die Radler durch entsprechendes Verhalten von der Straße weisen wollen. Auch Radfahrer verkennen häufig die Situation, nutzen den Gehweg für zügiges Fahren, obwohl nur langsames Tempo erlaubt ist.

Fahrradverkehrsförderung und eine „menschengerechte“ Verkehrsplanung vermeiden vorhersehbare Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern und finden stattdessen intelligente Lösungen!

© ADFC Landshut 2020

Fördermitglieder